Was ist ein Morbus Addison?

„Mit Abstand am häufigsten kommt die primäre Nebennierenrindeninsuffizienz vor, unter der mehr als 95% der Hunde leiden. Nur diese Form wird auch als Morbus Addison bezeichnet“.  (vgl. Claudia Reusch: M. Addison: Klinik und Aktuelles zur Diagnose und Therapie, 2016).

Der Morbus Addison (MA) ist eine Erkrankung der Nebennieren. Die Nebennieren sind kleine hormonproduzierende Drüsen, die auf den vorderen Polen der Nieren sitzen. Hauptsächlich ist beim Morbus Addison der Ausfall der Nebennierenrinde betroffen. In seltenen Fällen kann die ganze Nebenniere betroffen sein. Diese Erkrankung tritt auf, wenn die Nebennierenrinden zu 85 bis 90% zerstört sind und ihre Funktion nicht mehr erfüllen können. Die meisten Fälle des Morbus Addison werden erst in der lebensgefährlichen Addison-Krise diagnostiziert. Es gibt keinen Test, der vorzeitig aufzeigen kann, dass ein Hund von primärem Morbus Addison bedroht sein könnte.

Die Nebennieren dienen der Produktion von vielen Hormonen, deren vollständige Wirkweise man weder beim Hund noch beim Menschen bis ins kleinste Detail kennt. Hormone sind chemische Botenstoffe für Organe, die bestimmte Prozesse im Körper regulieren. Zwei dieser in der Nebennierenrinde gebildeten Hormone sind für die körperliche Gesundheit und das psychische Wohlergehen unerlässlich, ohne sie bricht der Organismus zusammen. Man bezeichnet sie als die Glukokortikoide und die Mineralokortikoide.

Bei Hunden mit einem Morbus Addison sind die Blutspiegel der Glukokortikoide (Cortisol) erniedrigt. Cortisol ist ein wichtiges Hormon, das den Stoffwechsel reguliert und eine normale Reaktion auf Stress ermöglicht. Die Mineralokortikoide (Aldosteron) regulieren den Blutdruck sowie den Wasser- und Mineralstoffhaushalt. Diese beiden Hormone sind für die normalen Körperfunktionen überlebenswichtig. Der Morbus Addison kommt beim Hund und beim Menschen vor und verhält sich auch bei beiden Spezies ähnlich. Morbus Addison zählt zu den seltenen Erkrankungen. Berichte über Morbus Addison bei Katzen sind in der Literatur selten beschrieben.
Dem Morbus Addison (MA) verwandte Krankheitsbilder können durch eine Störung der Hypophysen-Hypothalamus-Aktivität begründet sein. In diesem Fall sind die Nebennieren nämlich intakt, erhalten aber über die Hypophyse oder den Hypothalamus keine ausreichende Stimulation, das wichtige Hormon Cortisol zu bilden.
Diese Form, die sekundäre Nebennierenrindeninsuffizienz entsteht durch einen Mangel an den übergeordneten Hormonen ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) oder CRH (Corticotropin-releasing Hormon). Sie kommt beim Hund bei weniger als 5% der Fälle vor und wird daher auch seltener diagnostiziert.
Diese Sonderformen bezeichnet man auch als „atypischen Morbus Addison“ (siehe mehr hierzu bei „Welche Arten von Morbus Addison gibt es?“).